1 Jahr Sabbatical – Leben nach meinem Rhythmus

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Endlich Ruhe – Dank Dauerregen während meines Rückzugs in den Bergen konnte sich mein ganz eigener Tagesrhythmus einstellen und ich mich geistig und körperlich langsam wieder ins Lot bringen, mit meinem individuellen Kur-Programm.

Zwei Wochen liegen im Dauerregen hinter mir, eine Woche noch vor mir, ohne Verpflichtungen, Termine und allein in der Idylle und Ruhe des Bergdorflebens. Das Wetter wird nun sommerlich. Ich hätte es mir nicht besser wünschen können. Ich soll wohl genau hier und zu dieser Zeit sein – nirgends sonst.

Selbstdiagnose Burnout

Rückblickend sah ich mich schon öfter mit einem Bein kurz vorm Zusammenbruch, in einem beginnenden Burnout – vor allem damals in meiner Agenturzeit. Mit Ende 20 bzw. Anfang 30 konnte ich mich immer wieder selbst davon erholen, Wochenenden und Urlaube brachten die dringend notwendige Regeneration. Das Abschalten in den Erholungsmodus war möglich, sogar relativ rasch (am Sonntag oder nach zwei, drei Tagen im Urlaub). Danach „funktionierte“ ich wieder hervorragend.

Doch in den letzten 1,5 Jahren klappte das Abschalten nicht mehr oder ich war so erschöpft von einer Arbeitswoche, dass das Wochenende nicht mehr zur Erholung ausreichte.

Ich sehnte mich so sehr nach Ruhe, nach einer Kur, einem Retreat oder sogar nach einem mehrwöchigen Aufenthalt in einer Klinik, um mich wieder zu spüren.

Nachdem ich von einem Yoga- und Ayurveda-Retreat letztes Jahr noch fertiger zurück kam als ich hingefahren war, habe ich mir immer wieder vor Augen geführt, dass vorgegebene Rückzugsprogramme nichts für mich sind. Dafür habe ich einen zu sehr von der „Norm“ abweichenden Biorhythmus, – allein was Essenszeiten und körperliche Aktivität betrifft.

Mein persönlicher Kur-Aufenthalt

Zugegeben, ich war noch nie auf Kur oder in einer Klinik zur Behandlung psychischer Leiden. Bisher konnte ich das vermeiden. Dennoch kann ich mir nicht vorstellen, dass mein Tagesablauf dort so möglich wäre, ich dort die Ruhe finden würde, nach der ich mich so sehne und die ich zum Heilen brauche. Allein die Anwesenheit von anderen Menschen verheißt für mich keine langanhaltende Ruhe, heißt den Fokus auf mich selbst zwangsläufig verlieren.

Hier habe ich die Gelegenheit, nach meinem Rhythmus und meinen Bedürfnissen zu leben.

So sieht mein ganz individueller Tagesablauf in meiner „Kur“ aus:

9:00-10:00 Uhr: Aufstehen

Ich bin sicherlich kein Morgenmensch, wache hier dennoch für meine Verhältnisse früh – gegen 9 Uhr – auf.

Zuerst lüfte ich, nehme tiefe Atemzüge der frischen Bergluft, lausche in die Idylle – nur das Rauschen des Bachs ist zu vernehmen. Ich bin voller Dankbarkeit, dass ich hier sein darf, genieße den Blick in das Grün des Gartens und das Bergpanorama. Ich fühle mich ausgeschlafen.

Zum Aufwachen den Blick in den Garten, Bergpanorama und frische Luft genießen.

Es riecht nach Sommerwiese. Noch nie zuvor in meinem Leben empfand ich die Morgenstunden als so angenehm.

Ich begebe mich in die Küche, setze Tee-Wasser und den Kaffee auf. Der Duft nach frischem Kaffee mischt sich mit der sauberen Sommerluft.

10:00-12:00 Uhr: Mein Morgenritual

Wie wichtig mir Ruhe am Morgen und Zeit für mich ist, habe ich erst kürzlich festgestellt. Ich möchte nicht angesprochen werden, mit niemandem interagieren oder sprechen müssen, sondern langsam wach werden und meinen Gedanken Raum geben. Mich körperlich betätigen möchte ich schon gar nicht und sei es noch so „leichtes“ Yoga. Morgens habe ich einfach keine Kraft, keine Energie, morgens muss ich für mich sein.

Hier kann ich mein Morgenritual ausführlich zelebrieren. Im Alltag muss meine Morgenroutine natürlich kürzer ausfallen, dennoch versuche ich mir mittlerweile auch dann Zeit für´s Journalling und die Kalenderpflege zu nehmen, wenn ich morgens schon Verpflichtungen habe.

Ich habe morgens nur selten Hunger, frühstücke also erst später, und fülle meinen Flüssigkeits- und Koffeinbedarf zum Aufwachen auf.

Bei einer Kanne Kräutertee und zwei Tassen Kaffee (und einem großen Glas Wasser) werde ich langsam wach.

Kalenderpflege: In meinem Papierkalender notiere ich, was ich am vorherigen Tag gemacht habe (z.B. körperliche Betätigung, Serien oder Filme, die ich angeschaut habe, usw.). Zudem überprüfe ich ein wenig, was die nächsten Tage oder heute ansteht. Ich habe sogar zwei Papierkalender – einen als eine Art Tagebuch, den anderen für Termine, Verpflichtungen, ToDos. Klingt umständlich, ist es zum Teil auch, es funktioniert für mich so dennoch am besten. Ich konnte mich bisher nicht mit digitalen Kalendern anfreunden.

Journalling: Ich schreibe (aktuell täglich) Tagebuch, manchmal bis zu zwei Stunden. Wie geht es mir heute beim Aufwachen? Beschäftigt mich noch etwas von gestern? Was steht heute an? Auf was habe ich heute Lust? Wie fühle ich mich mit den anstehenden Plänen? Ich bin immer wieder erstaunt, wie viel oftmals beim und durch das Schreiben hervorkommt. Diese schriftliche Selbstreflexion hat mir schon die ein oder andere Erkenntnis gebracht und hilft mir auch dabei, mich selbst zu verstehen. Wieso ging es mir gestern z.B. nicht gut? Gab es dafür einen Auslöser? Ließe sich das in Zukunft vermeiden?

Ideen notieren: Kommen mir während meiner Tagebuch-Zeit und der Selbstreflexion Ideen für Blogartikel – oder so wie heute sogar für ein Buch -, notiere ich das in meinem Notizbuch. Klüger wäre es natürlich, das gleich digital zu notieren, um es zu kategorisieren und wiederzufinden. Allerdings habe ich festgestellt, dass ich mich mit Papier leichter tue. Am Laptop werde ich zu leicht abgelenkt (z.B. von meinen ungefähr 30 offenen Tabs oder neuen E-Mails) und ich würde meine Gedankengänge unterbrechen.

Durch meine Hochsensibilität habe ich ein sehr reiches Innenleben, dem ich mit diesen ruhigen Stunden am Morgen und dem Journalling am besten Tribut zolle.

12:00-13:00 Uhr: E-Mails checken und Newsletter lesen

Wenn mich die Muse küsst, so wie heute, beginne ich gleich mit dem Schreiben, um mich nicht durch Input aus dem Konzept bringen und zu anderen Ideen verleiten zu lassen.

Meine E-Mails habe ich heute trotzdem schon (ausnahmsweise am Handy) gecheckt. Es kam nichts wichtiges, worauf ich sofort reagieren müsste. Das kann alles warten.

13:00 Uhr: Frühstück

Etwa gegen 13 Uhr bekomme ich dann Hunger und lege eine kleine Frühstückspause ein. Ich frühstücke fast immer das Gleiche mit nur wenigen Abweichungen – bedingt durch die jahreszeitliche Obstauswahl und das jeweilige Angebot im Supermarkt.

Aktuell: Skyr mit einem Apfel, Blaubeeren und Sonnenblumenkernen oder Nüssen – dazu ein kleines Glas Orangensaft

13:30 -16:00 Uhr: „Arbeitszeit“ am Laptop

Dieser „Programmpunkt“ mag von außen alles andere als entspannend und nach Kur oder Urlaub klingen, für mich ist es der wahre Luxus. Denn ich kann mich endlich den Themen widmen und meine Kreativität ausleben, wie es mir gefällt und solange ich die Energie dafür habe.

Im kreativen Flow sein. Einen Zustand, den ich hier erst entdecken durfte.

Am Laptop mit Bergpanorama und alkoholfreiem Weißbier komme ich in den kreativen Flow beim Schreiben – oft auch nochmal abends.

Ich habe endlich die Zeit, Aufnahmefähigkeit und die Muße, mir interessante Artikel aus Newslettern durchzulesen, oder mich weiter in meinen Blog und Website reinzufuchsen, mich am Design probieren und das Allerwichtigste: Blogartikel zu schreiben oder zu überarbeiten.

Natürlich klopft auch das erwachsenen Leben an und hält leider nicht still, also muss ich mich auch ab und an um organisatorische Dinge kümmern (Arzttermine vereinbaren, Adressänderungen machen usw.). Doch selbst solche Aufgaben stören mich mittlerweile nicht mehr, sind sie entweder schnell erledigt oder nicht so dringend, dass ich sie nicht unbedingt dann machen muss, wenn mich gerade wieder das Schreibfieber packt. Dann erledige ich dieses ToDo eben am nächsten Tag.

16:00-17:00 Uhr: Spaziergang (Wanderung) oder Einkaufen

Gegen 16:00 Uhr, nach intensiven Stunden am Laptop, merke ich, wie ich nichts mehr gut weiterbringe, ich geistig einfach müde geworden bin. Dann ist es Zeit für mein tägliches Bewegungsprogramm, also gehe ich entweder meine übliche Spazier-Runde, die gleich vor dem Haus mit Steigung beginnt (insgesamt ca. 50 Minuten) oder ich gehe zum Einkaufen in den Supermarkt (ca. 20 Minuten zu Fuß entfernt).

In beiden Varianten habe ich mich etwa eine Stunde und davon auch viel bergauf bewegt.

Ein Spaziergang meint hier immer eine Wanderung, gibt es kaum ebene Strecken, es geht entweder bergauf oder bergab – anders geht es von diesem Standort hier nicht.

Der Weg zum Einkaufen ist keine lästige Angelegenheit, sondern führt in einer schönen Route an Schafen und Pferden vorbei in den Ortskern. Allzu viele Lebensmittel sollte ich aber nicht einkaufen, muss ich doch alles auch wieder die 20 Minuten bergauf tragen.

Meine „Wanderroute“ ohne Einkaufen führt mich durch ein kleines Waldstück mit einem Bach, an Kühen und durch ein kleines, noch idyllischeres Bergdorf mit wunderschönen, alten Bauernhäusern vorbei.

Beim Gehen und beim Blicke über die Berglandschaft schweifen lassen finde ich wieder gedanklich zur Ruhe, markiert für mich den Übergang zum Feierabend.

17:00 – 17:40 Uhr: Dehnen, Yoga und Physio-Therapie-Übung

Nach der kleinen Wanderung dehne ich meine Beine und rolle dann meine Yogamatte aus. Je nach Energie, Lust und Laune suche ich mir eine oder zwei Sessions aus dem Monatsplan von Mady Morrison aus.

Meine tägliche Yoga-Einheit mit Videos von Mady Morrison gehört zu meinem wohltuenden Tagesablauf dazu. Hier bin ich in der Haltung des Kindes.

Endlich wieder in eine Yoga-Routine finden! Seit über einem Jahr war mir das nicht mehr vergönnt.

Und zwar zu der Uhrzeit und in der Intensität, die zu mir passt. Manchmal ist mir eher nach langsameren Einheiten mit viel Stretching, manchmal gehen auch schon wieder aktivere, anspruchsvollere Einheiten.

Ich genieße den leichten Muskelkater am nächsten Tag und das Gefühl, Tag für Tag fitter, flexibler und straffer zu werden. Endlich stellt sich wieder ein Wohlgefühl mit meinem Körper ein.

Manchmal kann ich mich auch noch zu den Übungen überreden, die mir mein Physiotherapeut wegen meiner Hüftbeschwerden mitgegeben hat.

17:30 – 18:00 Uhr: Mittagessen

Zeit für meine Hauptmahlzeit des Tages! Da ich nicht gerne koche und ich auch keine große Abwechslung bei meinen Gerichten brauche, mache ich mir meistens recht rasch z.B. Couscous-Salat, Linsen-Thunfisch-Salat oder Nudelsalat (alles nur mit Olivenöl und Salz als Dressing).

Bei den sommerlichen Temperaturen genieße ich davor noch ein alkoholfreies Weißbier (Weizen) gegen den Durst.

Von meiner Mahlzeit esse ich reichlich, überesse mich aber nicht.

Ab 18:00 Uhr: Feierabend mit freier Abendgestaltung

Endlich Feierabend! Alles erledigt für heute, es war ein „produktiver“ Tag! Ich bin müde, aber auf eine positive Art und Weise.

Ich schaue etwas im Fernsehen an oder streame mir eine Serie, beantworte WhatsApp-Nachrichten, habe einfach Handyzeit oder lese mir aufmerksam ein Skript für meine Ausbildung durch.

21:00Uhr: Abendessen

Bevor ich mich Richtung Bett bewege, brauche ich noch ein kleines Abendessen, sonst bekomme ich Hunger zum Einschlafen. Und so schläft es sich wirklich nicht gut ein.

Gestern war es eine Kürbis-Suppe aus dem Glas oder ich esse noch eine belegte Semmel.

22:30 Uhr: zu Bett gehen

Nach einem Film oder ein paar Folgen einer Serie merke ich nun wirklich meine Müdigkeit, mache mich schnell bettfertig, lese noch ein paar Seiten und mache zum Einschlafen ein Hörbuch oder „Die drei ???“ an.

23:30 Uhr – 0:00 Uhr: Einschlafen

Mein eingestellter Sleeptimer schaltet automatisch die Audiowiedergabe aus. Meistens bin ich vorher schon eingeschlafen.

Meine Bedürfnisse leben

Dieser Rhythmus und Ablauf stellt sich bei mir wie von selbst ein, wenn ich frei habe, nicht im Zustand der Daueranspannung bin, mir selbst keinen Druck mache und ich ganz für mich sein darf.

Es klingt so simpel und doch scheint es das schwierigste zu sein: Die eigenen Bedürfnisse wahrnehmen und danach leben. Gefangen im Hamsterrad war das für mich ein Ding der Unmöglichkeit.

Was sich alles durch meinen „Kuraufenthalt“ bei mir verändert hat, thematisiere ich in meinem nächsten Blogartikel.

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